Wenn im Oktober die Blätter der Brennnessel welken und sich die Pflanze in den Boden zurückzieht, ist die Zeit für die Blätterernte vorbei. Doch gerade jetzt lohnt sich ein Blick unter die Erde: Die Wurzel der Brennnessel wird seit langem für Tee verwendet und unterscheidet sich in Geschmack, Zubereitung und traditioneller Anwendung deutlich vom bekannten Brennesseltee aus Blättern. In diesem Beitrag erfahren Sie, worauf Sie bei Ernte und Zubereitung achten sollten.
Blätter oder Wurzel – wo liegt der Unterschied?
Für den klassischen Brennesseltee werden Blätter und Triebspitzen verwendet. Er schmeckt mild, leicht grasig und wird vor allem traditionell zur Durchspülung der Harnwege getrunken. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag zur Wirkung von Brennesseltee.
Die Wurzel dagegen ist ein eigenständiges Pflanzenteil mit anderer Zusammensetzung. Ihr Tee schmeckt erdiger, etwas holzig und leicht bitter. In der Pflanzenheilkunde wird der Wurzel traditionell eine unterstützende Rolle bei Beschwerden beim Wasserlassen zugeschrieben, wie sie bei einer gutartigen Vergrößerung der Prostata auftreten können. Wichtig: Solche Beschwerden sollten immer zuerst ärztlich abgeklärt werden, denn ein Tee ersetzt keine Diagnose und keine Behandlung.
Der richtige Zeitpunkt für die Ernte
Brennnesselwurzeln werden traditionell im Herbst oder im sehr frühen Frühjahr gegraben. Im Herbst hat die Pflanze ihre Kraft in die Wurzeln verlagert, das oberirdische Kraut stirbt ab. Ein trockener Tag im Oktober oder November ist daher ideal.
- Sammeln Sie nur an sauberen Standorten, fern von Straßen, gespritzten Feldern und Hundewegen.
- Graben Sie nur dort, wo die Brennnessel reichlich wächst, und lassen Sie genug Pflanzen stehen.
- Beachten Sie, dass auf fremden Grundstücken und in Schutzgebieten nicht ohne Erlaubnis gegraben werden darf.
- Tragen Sie Handschuhe – auch die Reste der Stängel können noch brennen.
Wo die Brennnessel bevorzugt wächst, erfahren Sie auf unserer Seite Wo wachsen Brennnesseln eigentlich?
Wurzeln reinigen und trocknen
Die gelblichen, verzweigten Wurzeln und Ausläufer lassen sich mit einer Grabegabel recht leicht lockern. So bereiten Sie sie für den Vorrat vor:
- Erde grob abschütteln und die Wurzeln gründlich unter fließendem Wasser abbürsten.
- Dicke Stränge in etwa ein Zentimeter lange Stücke schneiden – frisch geht das deutlich leichter als getrocknet.
- Die Stücke dünn auf einem Gitter oder Backpapier ausbreiten und an einem luftigen, schattigen Ort trocknen. Alternativ eignet sich ein Dörrgerät bei niedriger Temperatur.
- Die Wurzeln sind fertig, wenn sie beim Biegen hörbar brechen. Bewahren Sie sie anschließend in einem dunklen, gut verschlossenen Glas auf.
So bereiten Sie Brennnesselwurzel-Tee zu
Weil die Wurzel fester ist als die Blätter, genügt ein einfacher Aufguss meist nicht. Bewährt hat sich eine kurze Abkochung:
- Menge: etwa 1 bis 2 Teelöffel getrocknete, zerkleinerte Wurzel auf eine Tasse (ca. 250 ml) Wasser.
- Zubereitung: Die Wurzel in kaltem Wasser ansetzen, langsam zum Kochen bringen und einige Minuten leicht köcheln lassen.
- Ziehen lassen: Den Topf vom Herd nehmen, weitere 10 Minuten ziehen lassen und dann abseihen.
Der Tee hat eine bräunliche Farbe und einen kräftigen, erdigen Geschmack. Wer es milder mag, kann ihn mit etwas Blättertee oder Pfefferminze mischen. Allgemeine Tipps rund um Wassertemperatur und Ziehzeit finden Sie in unserer Anleitung zur Brennesseltee-Zubereitung.
Wer vorsichtig sein sollte
Brennnesselwurzel-Tee wird von den meisten Menschen gut vertragen, gelegentlich kann es jedoch zu leichten Magen-Darm-Beschwerden kommen. In folgenden Fällen sollten Sie vor dem Trinken ärztlichen Rat einholen:
- in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern,
- wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen, insbesondere entwässernde oder blutdrucksenkende Mittel,
- bei Herz- oder Nierenerkrankungen, bei denen eine eingeschränkte Trinkmenge empfohlen wird,
- bei anhaltenden oder sich verschlimmernden Beschwerden beim Wasserlassen, bei Blut im Urin, Fieber oder Schmerzen.
Weitere Hinweise zur Verträglichkeit finden Sie auf unserer Seite zu den Nebenwirkungen von Brennesseltee.
Fazit
Die Brennnesselwurzel ist ein spannender Begleiter für die kalte Jahreszeit: Sie lässt sich im Herbst leicht selbst ernten, gut trocknen und als kräftiger, erdiger Tee zubereiten. Betrachten Sie ihn als traditionelles Hausmittel und Genussgetränk – und lassen Sie gesundheitliche Beschwerden stets von einer Ärztin oder einem Arzt abklären.