Warum brennt die Brennnessel? Brennhaare einfach erklärt

Fast jeder kennt das Gefühl: Ein kurzer Kontakt mit einer Brennnessel, und schon brennt und juckt die Haut, oft bilden sich kleine weiße Quaddeln. Die Pflanze trägt ihren Namen also zu Recht. Doch was passiert dabei eigentlich genau? Und wie können Sie Brennnesseln ernten oder im Garten pflegen, ohne sich ständig zu „verbrennen“? In diesem Beitrag erfahren Sie, wie die Brennhaare funktionieren und was nach einer Berührung hilft.

Die Brennhaare: eine winzige Spritze

Stängel und Blätter der Großen Brennnessel sind mit zahlreichen Brennhaaren besetzt. Jedes dieser Haare ist eine einzelne, lang gestreckte Zelle mit einer verdickten Basis, in der sich Flüssigkeit befindet. Die Spitze ist durch eingelagerte Kieselsäure hart und spröde wie Glas.

Berühren Sie ein Brennhaar, bricht das kleine Köpfchen an einer vorgegebenen Stelle schräg ab. Zurück bleibt eine scharfe Kante, die wie eine feine Kanüle in die Haut eindringt. Durch den Druck wird der Zellinhalt in die Haut gespritzt – und das Brennen beginnt.

Was in den Brennhaaren steckt

Lange Zeit galt vor allem Ameisensäure als Ursache für das Brennen. Diese Vorstellung ist bis heute weit verbreitet, gilt aber als vereinfacht. Nach heutigem Kenntnisstand ist ein Gemisch verschiedener Stoffe beteiligt, darunter:

  • Histamin – löst Rötung, Schwellung und Juckreiz aus
  • Acetylcholin – ein Botenstoff, der zum brennenden Schmerz beiträgt
  • Serotonin – verstärkt das Schmerzempfinden
  • verschiedene organische Säuren, darunter Ameisensäure

Übrigens: Der botanische Gattungsname Urtica leitet sich vom lateinischen urere („brennen“) ab. Auch der medizinische Begriff „Urtikaria“ für Nesselsucht geht auf die Brennnessel zurück, weil die Hautreaktion ähnlich aussieht.

Brennnesseln anfassen, ohne sich zu verbrennen

Ganz vermeiden lässt sich der Kontakt beim Ernten oder Jäten kaum. Mit ein paar einfachen Maßnahmen bleibt er aber meist folgenlos:

  • Tragen Sie feste Gartenhandschuhe sowie lange Ärmel und Hosen.
  • Schneiden Sie die Triebspitzen mit einer Schere ab, statt sie abzurupfen.
  • Fassen Sie Pflanzen möglichst zügig und fest an, statt sie nur leicht zu streifen – die Haare brechen dann oft weniger gezielt in die Haut.
  • Legen Sie das Erntegut in einen Korb oder Beutel, nicht in die bloße Hand.

Wie Sie Brennnesseln für den Teevorrat richtig ernten und verarbeiten, lesen Sie in unserem Beitrag Brennnesseln sammeln und trocknen.

Warum Tee und Spinat nicht brennen

Die Brennhaare sind empfindlich. Durch Trocknen, Überbrühen, Blanchieren oder Kochen verlieren sie ihre Wirkung. Deshalb brennt getrocknetes Teekraut nicht mehr, und auch gekochte Gerichte wie Brennesselspinat sind völlig unproblematisch. Für frische Blätter im Salat werden diese häufig kurz mit einem Nudelholz gewalzt oder in einem Tuch gerieben, damit die Haare brechen. Beim Zubereiten von Brennesseltee aus frischen Blättern übernimmt das heiße Wasser diese Aufgabe.

Was nach einer Berührung hilft

In den meisten Fällen ist die Reaktion harmlos und klingt nach einigen Minuten bis wenigen Stunden von selbst ab. Folgendes kann die Beschwerden lindern:

  1. Die Stelle nicht reiben oder kratzen, damit abgebrochene Haare nicht tiefer eindringen.
  2. Haarreste vorsichtig mit einem Klebestreifen abziehen.
  3. Die Haut mit kaltem Wasser und milder Seife abwaschen.
  4. Die Stelle kühlen, zum Beispiel mit einem feuchten, kalten Tuch.

Traditionell werden auch zerriebene Blätter von Spitzwegerich oder Ampfer aufgelegt. Dies ist ein überliefertes Hausmittel; eine gesicherte Wirkung ist nicht belegt.

Suchen Sie ärztlichen Rat, wenn großflächige Hautbereiche betroffen sind, die Beschwerden lange anhalten, Augen oder Schleimhäute in Kontakt gekommen sind oder Anzeichen einer allergischen Reaktion wie Atemnot oder Schwellungen im Gesicht auftreten. Bei kleinen Kindern ist ebenfalls besondere Vorsicht angebracht.

Fazit

Das Brennen der Brennnessel ist ein raffinierter Schutzmechanismus der Pflanze gegen Fraßfeinde. Wer weiß, wie die Brennhaare funktionieren, kann sich mit Handschuhen und etwas Umsicht gut schützen. Und sobald die Blätter getrocknet oder erhitzt sind, steht dem Genuss als Tee oder Gemüse nichts mehr im Weg.