Brennnesseln im Garten: Warum Schmetterlinge sie brauchen

Viele Gärtnerinnen und Gärtner reißen Brennnesseln aus, sobald sie auftauchen. Dabei gehört die Pflanze zu den wichtigsten Futterpflanzen für heimische Schmetterlinge. Wer ihr eine kleine Ecke im Garten überlässt, tut nicht nur den Faltern etwas Gutes, sondern hat auch stets frische Blätter für Tee, Küche und Garten zur Hand. Der Herbst ist ein guter Zeitpunkt, eine solche Ecke zu planen.

Welche Schmetterlinge auf die Brennnessel angewiesen sind

Erwachsene Falter saugen Nektar an vielen verschiedenen Blüten. Ihre Raupen sind dagegen oft auf ganz bestimmte Pflanzen spezialisiert. Für mehrere bekannte Tagfalter ist die Brennnessel die wichtigste oder sogar nahezu einzige Raupenfutterpflanze:

  • Tagpfauenauge – die schwarzen, bedornten Raupen leben in Gruppen in Gespinsten an den Triebspitzen.
  • Kleiner Fuchs – auch seine Raupen fressen anfangs gesellig, bevorzugt an sonnigen Brennnesselbeständen.
  • Admiral – die Raupe lebt einzeln in einem zusammengesponnenen Blatt.
  • Landkärtchen – es legt seine Eier in kleinen Türmchen an der Blattunterseite ab und mag eher halbschattige, feuchte Standorte.

Hinzu kommen zahlreiche weniger auffällige Insekten wie Käfer, Wanzen und Nachtfalter, die an oder von der Brennnessel leben. Eine einzelne Pflanze am Wegrand reicht vielen Arten allerdings nicht – sie brauchen größere, ungestörte Bestände.

Der richtige Standort für eine Brennnesselecke

Die Große Brennnessel wächst bevorzugt auf nährstoffreichen, eher frischen Böden. Für Schmetterlinge ist neben dem Boden vor allem das Licht entscheidend:

  • Wählen Sie einen sonnigen bis halbschattigen Platz. Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs legen ihre Eier bevorzugt an sonnenbeschienene Pflanzen.
  • Ein Bereich von wenigen Quadratmetern ist bereits wertvoll, etwa am Komposthaufen, hinter dem Schuppen oder entlang eines Zauns.
  • Planen Sie die Ecke abseits von Wegen und Spielflächen, damit niemand versehentlich hineingreift.

Anlegen und Ausbreitung begrenzen

Brennnesseln breiten sich über unterirdische Ausläufer aus. Damit die Ecke nicht in Beete hineinwächst, lohnt sich eine Begrenzung von Anfang an:

  1. Setzen Sie Wurzelstücke mit einigen Knoten im Herbst oder zeitigen Frühjahr etwa fünf bis zehn Zentimeter tief in den Boden.
  2. Graben Sie rundherum eine Wurzelsperre ein, zum Beispiel aus Teichfolie oder alten Randsteinen, etwa 30 Zentimeter tief.
  3. Stechen Sie Ausläufer, die über die Grenze wachsen, einmal im Jahr mit dem Spaten ab.

Die abgestochenen Wurzeln müssen Sie nicht wegwerfen: Wie Sie daraus einen Brennnesselwurzel-Tee zubereiten, lesen Sie in einem eigenen Beitrag.

Schmetterlingsfreundlich schneiden

Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs bilden in vielen Regionen zwei Generationen im Jahr. Die Raupen der zweiten Generation bevorzugen junge, zarte Triebe. Ein durchdachter Schnitt hilft deshalb mehr als gar kein Schnitt:

  • Schneiden Sie im Frühsommer nur einen Teil des Bestands zurück, damit frische Triebe nachwachsen.
  • Kontrollieren Sie die Pflanzen vor dem Schnitt auf Raupengespinste und lassen Sie besetzte Triebe stehen.
  • Lassen Sie im Herbst einige abgestorbene Stängel bis zum Frühjahr stehen. Sie bieten verschiedenen Insekten Unterschlupf im Winter.

Ernten, ohne den Faltern zu schaden

Ein Brennnesselbestand im Garten liefert Ihnen zuverlässig Blätter, die Sie frisch verwenden oder für den Winter vorrätig halten können. Wie Sie dabei am besten vorgehen, erfahren Sie im Beitrag Brennnesseln sammeln und trocknen. Achten Sie beim Ernten darauf, Triebe mit Eiern oder Raupen stehen zu lassen, und pflücken Sie lieber verteilt über den Bestand als alles an einer Stelle. Auch für Brennesseljauche sollten Sie nur Pflanzen ohne Raupen verwenden.

Fazit

Eine kleine, gut begrenzte Brennnesselecke kostet kaum Arbeit und ist ein wertvoller Beitrag für die heimische Insektenwelt. Mit einem sonnigen Standort, einer Wurzelsperre und einem gestaffelten Schnitt schaffen Sie Lebensraum für Tagpfauenauge, Kleinen Fuchs und Co. – und haben zugleich frische Blätter für Ihren nächsten Brennesseltee.