Im Winter wirkt ein Brennnesselbestand im Garten wie abgestorben: braune, kahle Stängel, bald ist vielleicht gar nichts mehr zu sehen. Verschwunden ist die Pflanze deshalb nicht. Dieser Beitrag erklärt, was die Brennnessel im Winter macht, was Sie jetzt für Ihren Teevorrat und Ihren Garten tun können und wann im Frühjahr wieder frische Triebe zu erwarten sind.
Was im Winter über und unter der Erde geschieht
Die Große Brennnessel ist ausdauernd und gilt als winterhart. Ihre oberirdischen Triebe sterben im Herbst ab. Überdauern kann sie dank eines kräftigen Rhizoms, also eines unterirdischen Wurzelstocks, der Ausläufer bildet. Die Wurzeln reichen nach botanischen Beschreibungen bis etwa 70 Zentimeter tief. Aus diesem Geflecht treibt die Pflanze im nächsten Jahr wieder aus.
Die Blütezeit reicht von Juli bis Oktober, die Samen reifen im September und Oktober. Mehr zur Pflanze, ihren Standorten und verwandten Arten finden Sie auf der Seite Brennnessel: Die Pflanze und wo sie wächst.
Warum frische Blätter im Winter selten sind
Da die Triebe im Herbst absterben, gibt es auf dem Beet in der kalten Jahreszeit kaum noch frisches Laub. Ob in milden Wintern vereinzelt grüne Pflanzen stehen, hängt von Region und Witterung ab. Verlassen Sie sich darauf nicht. Wer im Winter Brennesseltee trinken möchte, greift deshalb in der Regel auf getrocknete Blätter zurück. Sammeln Sie nur an sauberen, ungespritzten Standorten und tragen Sie Handschuhe.
Was Sie jetzt tun können
- Vorrat prüfen: Kontrollieren Sie Ihre getrockneten Blätter auf Geruch, Aussehen und Feuchtigkeit. Muffig riechende oder verfärbte Reste gehören nicht in die Tasse. Tipps zur Lagerung finden Sie im Beitrag Brennnesseln sammeln und trocknen.
- Wurzeln nutzen: Wurzelstock und Wurzeln werden traditionell im Herbst verwendet. Wie Ernte und Zubereitung funktionieren, lesen Sie unter Brennnesselwurzel-Tee.
- Ausläufer im Blick behalten: Rhizomstücke, die beim Hacken oder Umgraben im Boden bleiben, können wieder austreiben. Wer den Bestand begrenzen möchte, kontrolliert deshalb die Ränder. Eine Anleitung dazu steht im Beitrag Brennnesseln im Garten.
- Neu pflanzen oder teilen: Gepflanzt wird im Frühjahr oder bei geeigneten Bodenbedingungen im frühen Herbst. Auch eine Teilung ist laut Gartenseiten im Frühjahr oder Herbst möglich.
- Kübelpflanzen schützen: Vermeiden Sie Staunässe und schützen Sie den Topf bei starkem Frost davor, vollständig durchzufrieren.
Abgestorbene Stängel nicht zu früh entfernen
Ein kahler Bestand muss nicht sofort weggeräumt werden. Wie im Beitrag über Schmetterlinge beschrieben, können Sie einige abgestorbene Stängel bis zum Frühjahr stehen lassen, denn sie bieten Insekten Unterschlupf. Räumen Sie dann im Frühjahr auf, bevor die neuen Triebe kommen.
Wann im Frühjahr die Ernte beginnt
Die ersten jungen Triebe erscheinen je nach Region und Witterung oft im März oder April. Wird der Bestand später im Jahr zurückgeschnitten, wachsen neue, junge Triebe nach, die Sie ernten können. Wie Sie aus frischen oder getrockneten Blättern einen guten Tee bereiten, steht auf der Seite Brennesseltee Zubereitung.
Fazit
Im Winter ruht die Brennnessel, sie ist aber nicht tot: Das Rhizom überdauert unter der Erde und treibt im Frühjahr wieder aus. Für Tee bedeutet das: Frische Blätter sind jetzt selten, ein gut gelagerter Vorrat zählt. Im Garten reicht es meist, Ausläufer im Auge zu behalten und im Herbst die Wurzeln zu nutzen, sofern Sie sie ernten möchten. Wer Brennesseltee wegen gesundheitlicher Beschwerden trinken möchte, in der Schwangerschaft oder Stillzeit ist oder Medikamente einnimmt, sollte vorher ärztlichen Rat einholen.