Im Halbschatten am Zaun oder Waldrand wachsen oft Pflanzen, die auf den ersten Blick wie Brennnesseln aussehen, aber nicht brennen. Meist handelt es sich um Taubnesseln. Wer Kräuter für Tee sammelt, sollte beide Pflanzen sicher auseinanderhalten können. Dieser Beitrag zeigt, woran Sie den Unterschied erkennen, wie die Pflanzen zusammenhängen und was das für die Ernte bedeutet.
Warum die Verwechslung so häufig ist
Der Name „Taubnessel“ erklärt das Problem: Die Blätter ähneln denen der Brennnessel, die Pflanze besitzt aber keine Brennhaare und ist deshalb „taub“. Im nicht blühenden Zustand lassen sich beide Arten nur schwer unterscheiden, denn Blattform und Blattrand sind sehr ähnlich. Beide bevorzugen zudem nährstoffreiche, frische Böden und wachsen daher häufig am selben Platz.
Die wichtigsten Unterschiede
Verwandt sind die Pflanzen nicht eng. Die Taubnessel gehört zu den Lippenblütlern, die Große Brennnessel zu den Brennnesselgewächsen. Das zeigt sich an mehreren Merkmalen:
- Brennhaare: Die Brennnessel brennt bei Berührung, die Taubnessel nicht. Sie ist zwar behaart, doch diese Haare sind keine Brennhaare.
- Blüten: Die Brennnessel hat kleine, unscheinbare, gelblich-braune Blüten. Die Weiße Taubnessel trägt auffällige weiße Lippenblüten, die in Etagen um den Stängel sitzen.
- Duft: Taubnessel-Blüten duften süßlich, Brennnesseln riechen eher krautig-herb.
- Blütezeit: Die Weiße Taubnessel blüht von etwa April bis Oktober, je nach Quelle auch länger. Solange sie blüht, ist sie daher eindeutig zu erkennen.
Mehr zur Pflanze selbst finden Sie auf der Seite Große Brennnessel. Wie die Brennhaare funktionieren, erklärt der Beitrag Warum brennt die Brennnessel?
Ist die Taubnessel auch ein Teekraut?
Ja, aber ein anderes. Blätter und Blüten der Weißen Taubnessel werden traditionell frisch oder getrocknet als Tee verwendet, junge Triebe auch in der Küche. In der Volksheilkunde wurde sie unter anderem bei Atemwegs-, Haut- und Verdauungsbeschwerden eingesetzt. Nach den hier genannten Fachartikeln ist allenfalls die Anwendung der Blütendroge bei leichten Katarrhen der oberen Atemwege anerkannt; für das Kraut gilt das nicht. Taubnesseltee ist also kein Ersatz für Brennesseltee, sondern ein eigenes Kraut mit eigenem Geschmack. Bewahren Sie beide getrennt auf und beschriften Sie die Gläser.
Praktische Tipps beim Sammeln
- Tragen Sie beim Sammeln immer Handschuhe, solange Sie sich nicht sicher sind, welche Pflanze vor Ihnen steht.
- Achten Sie auf mehrere Merkmale gleichzeitig: Blüten, Duft, Wuchsort und Gesamteindruck der Pflanze.
- Sammeln Sie nur an sauberen, ungespritzten Standorten, nicht an Straßenrändern oder gedüngten Feldern.
- Bestimmen Sie die Pflanze im Zweifel mit einem Bestimmungsbuch oder lassen Sie sie von einer erfahrenen Person prüfen, bevor Sie sie verwenden.
Eine ausführliche Anleitung zu Ernte und Vorrat lesen Sie unter Brennnesseln sammeln und trocknen. Die Zubereitung des klassischen Tees beschreibt Brennesseltee Zubereitung.
Fazit
Taubnessel und Brennnessel sehen sich ähnlich, sind aber verschiedene Pflanzen mit eigenen Eigenschaften. Der sicherste Hinweis bleibt die Blüte, außerhalb der Blütezeit hilft der Blick auf mehrere Merkmale. Für Brennesseltee sammeln Sie ausschließlich sicher bestimmte Brennnesseln. Wer Taubnesseln als Tee verwenden möchte, sollte bei gesundheitlichen Fragen, in Schwangerschaft und Stillzeit oder bei Medikamenteneinnahme vorher ärztlichen Rat einholen.